Berliner Stammtisch für inklusives Wohnen

Hier treffen sich an inklusivem Wohnen Interessierte: Eltern junger Erwachsener, Angehörige, potentielle Mitbewohner und Träger. Einfach alle, die das gemeinsame Leben von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in Berlin verwirklichen wollen.
Wir treffen uns jeden zweiten Donnerstag des Monats an wechselnden Orten.(Neulinge melden sich bitte an: info@stammtisch-wohnen.de)

Der Stammtisch im April fällt aus aktuellem Anlass aus ! Das ist schade, denn wir waren im Nesst eingeladen, in der Niedrigschwelligen Eltern Service Stelle. Franziska Müller hätte uns berichtet, sie ist EUTB Beraterin (Ergänzende unabhängige Teilhabe Beratung). Hoffentlich können wir den Termin nachholen!


Wie kommt eine inklusive WG in der Corona-Krise klar?

Die aktuelle Situation ist der Super-GAU: Der Sohn oder die Tochter lebt in einer WG, überall ist das Virus und wir Eltern haben keinen Einfluss auf den Alltag.  Kann man sich darauf verlassen, dass das gut geht?

Katja Sengelmann vom Stammtisch hat mit Gerrit Gaidosch aus der inklusiven WG in Gießen gesprochen. Die WG besteht seit gut anderthalb Jahren. Hier wohnen aktuell 4  Menschen mit Unterstützungsbedarf und 5 ohne.

Gerrit,  wie ist die Situation in der WG?

Seit fast zwei Wochen sind alle zuhause: Wir Studierenden gehen nicht zur Uni und die anderen nicht zur Arbeit. Es kommen aber von außen noch Pflegekräfte für einen Mitbewohner mit E-Rolli und auch die haupt- und nebenamtlichen Unterstützenden sind regelmäßig da. Dass ein Zimmer frei ist, erleichtert die Situation. Das WG-Casting für einen neuen Mitbewohner oder Mitbewohnerin mit Unterstützungsbedarf haben wir erstmal verschoben.

Die Menschen mit Unterstützungsbedarf arbeiten nicht mehr und sind den ganzen Tag zuhause. Wie schafft Ihr die Betreuung?

Wir wollen alles möglichst in den gewohnten Strukturen lassen. Das ist besonders für die Mitbewohner*innen mit Unterstützungsbedarf wichtig, damit sie sich trotz der ungewohnten Situation etwas orientieren können und eine gewisse Normalität herrscht. Zum Beispiel startet der Morgendienst für uns MitbewohnerInnen erst um 7 statt um 6 und endet erst um 9 Uhr anstatt 8 Uhr. Dann kommen schon die Fachkräfte und nebenamtlichen Unterstützenden. Meistens sind das Studierende, die im Moment sowieso keine Uni haben, deshalb sind sie flexibel. Für die WG-Leitung ist das eine ganz schöne Puzzelei bei der Dienstplanung, aber bis jetzt geht es. Außerdem haben wir das Glück, dass auch einige Eltern unserer MitbewohnerInnen uns Hilfe angeboten haben.  Sie sind bisher noch nicht so stark durch die Folgen des Virus wie zum Beispiel  Kurzarbeit oder Kündigungen betroffen.  Es ist gut zu wissen, dass sie im Notfall für uns da sind.

Wie setzt Ihr Euch gegen das Virus zur Wehr?

Wir hatten bisher verschiedene Plena, wo uns die Fachkräfte über aktuelle Entwicklungen informiert haben und wir haben uns ausgetauscht, wie wir die folgenden Tage und Wochen organisieren möchten. Diese Plena dürfen aber in nächster Zeit nicht stattfinden aufgrund des Infektionsschutzes, weswegen wir eine separate Messenger -Gruppe mit allen unterstützenden Personen  zum Informationsaustausch eingerichtet haben. Wir arbeiten viel mit Metacom-Symbolen zum Thema Infektionsschutz und erinnern uns gegenseitig daran, zum Beispiel die Hände zu waschen. Mittlerweile gibt es außerdem auch viele Infos über den Virus in leichter Sprache. Wohn:Sinn hat dazu auch ein Video gemacht.

Eines der letzten Zoom-Meetings von Wohn:sinn Mitgliedern

Was macht Ihr, damit Euch die Decke nicht auf den Kopf fällt?

Wir haben viel Gesellschaftsspiele gespielt und gekocht. Neulich gab es zum ersten Mal selbstgemachtes Spaghettieis. Alles, was man sonst so machen kann wie: Kino, Ausflüge, Schwimmen fällt ja jetzt flach. Wir wollen jetzt Liegengebliebenes erledigen: Zum Beispiel endlich mal Bilder an die Wände hängen…. Bestimmt nutzen wir bei schönem Wetter auch unsere riesige Terrasse, die wir ganz nebenbei auch wieder für den Sommer schön machen.

Bis jetzt fällt uns die Decke nicht auf den Kopf. Aber wer weiß, wie es in drei Wochen aussieht. Es kann auch sein, dass einzelne Mitbewohner*innen noch zu ihren Eltern fahren, da es bei uns schwer ist, den Alltag ohne externe Menschen, die nicht in der WG wohnen, zu stemmen. Tobias Polsfuß von Wohn:Sinn hatte die Idee, dass die inklusiven WGs deutschlandweit sich per Video – Konferenzschaltung zusammentun. Da kann man bestimmt gute Tipps austauschen und etwas gegen den WG-Koller tun.

Bleibt zuhause, haltet Abstand, wenn Ihr draußen seid, und wascht Euch die Hände. Gute Gesundheit!

-> Wohnsinn

5. Jahreszeit beim Stammtisch!

FASCHING des Stammtisch für inklusives Wohnen am 15. Februar 2020 im inklusiven Haus des Pfefferwerks. Bilder sagen manchmal mehr als 1000 Worte. Dennoch – es ist fantastisch, was Verkleidung ausmacht. Gegensätze werden aufgelöst: Wer ist arm, wer reich? Wer Mann, wer Frau? Wer „beeinträchtigt“, wer nicht? Kurzhaarige tragen Perücken. Zurückhaltende gehen aus sich heraus. Es tanzt, wer meint, nicht tanzen zu können. Versprochen: NÄCHSTES JAHR MACHEN WIR WIEDER EINEN FASCHING!

Fotos von Martin Zellerhoff

Mit Assistenz bis nach Rom

Oskar Streit liebt es bunt. Oskar spricht nicht mit dem Mund, sondern nutzt verschiedene Formen der Unterstützten Kommunikation. Bei seinem Talker-Vortrag über „Mein schönes Leben mit Assistenz“ am 9. Januar 2020 im Tiele Winckler Haus bot er uns einen Einblick in sein abwechslungsreiches Leben: Zuhause vor der Staffelei, im roten Cabrio und vor den Kulissen von Rom. Mithilfe von 10 Assistent*innen, die ihn reihum betreuen, kann der junge Mann im Rollstuhl weitgehend selbstbestimmt leben. Auch wenn es ihn manchmal nervt, bei einem Wechsel zum zehnten Mal erklären zu müssen, wie er am liebsten die Zähne geputzt bekommt. Doch meistens nimmt er´s mit Humor. Viele Wechsel gibt es sowieso nicht, denn die Assistent*innen mögen die Arbeit: Oskar lebt in einer WG mit drei Student*innen gegenüber der Wohnung seiner Eltern und wenn er nach der Arbeit in der Holzwerkstatt nach Hause kommt, ist meistens was los.

Oskars Mutter hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht: Sie hat eine 24-Stunden Assistenz durchgesetzt. Die persönliche Assistenz wird über die Eingliederungshilfe finanziert und die Einsätze der Assistent*innen von  ambulante Dienste e.V organisiert. Von ambulante Diensten e. V. gibt es auch Beratung zur Beantragung von Persönlicher Assistenz.

Wir vom Stammtisch sind begeistert von Oskar. Er ist uns das beste Beispiel für ein inklusives, selbstbestimmtes Leben!

Oskars Mutter ist aktiv bei der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. und organisiert dort vom 14. bis zum 18. Oktober 2020 eine Familienfreizeit. Mehr Infos demnächst hier: www.gesellschaft-uk.org

Stammtisch ohne Begleitung

Udo Jürgens war nicht beim inklusiven Stammtisch. Einige Teilnehmer*innen aber zum ersten Mal. Ganz ohne Referentin/Referenten trafen wir uns am 14.11. 2019 m Café der Fürst Donnersmarck-Stiftung in Zehlendorf, um uns auszutauschen. Auch dieses Mal zeigte sich: Der Bedarf an inklusivem Wohnraum für Menschen mit Beeinträchtigung ist groß. Beim Stammtisch treffen sich Menschen, die viel Wissen gesammelt haben. Im nächsten Jahr tritt die letzte Stufe des BTHG in Kraft – mal sehen, was uns das fürs Wohnen bringt!

Die Zukunft von inklusivem Wohnen – in Bremen!

Sarah, Noah, Viola und Katja vom Stammtisch waren am Wochenende in Bremen bei den Zukunftstagen von Wohnsinn – es war der Wahnsinn, was das Wohnsinn-Team bereits gewuppt hat und zukünftig plant! Da geht es überregional um alles, was mit inklusivem Wohnen zu tun hat. Neue Mitstreiter*innen sind jederzeit willkommen.

Bei den Zukunftstagen am Wochenende ging es erstmal um Geselligsein, Arbeiten in Workshops und auch um den Besuch der ersten inklusiven WG in Bremen: Sie besteht gerade mal seit 3 Wochen und ist auch – der Wahnsinn! Mit frischem Elan für inklusives Wohnen werden wir Euch beim nächsten Stammtisch von unseren Eindrücken berichten. Am 14. November um 18:30 Uhr in der Villa Donnersmarck.

Oben der provisorische WG-Tisch für geselliges Zusammensein. Unten der Blick aus einem der drei Wohnzimmerfenster ins Neubaugebiet – direkt an der Weser